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HMO-Zentren: Kaum Zeit für Hausbesuche
Swica-HMO-Zentren unter Kostendruck
HMO hiess es, sei mehr Zeit für die
Patienten, ganzheitliche Medizin und hausärztliche Betreuung. Doch die Swica-Zentren
werden diesem Ideal nicht gerecht.
Der Vorwurf der Nachrichtensendung «10 vor 10» an
die Adresse von Swica-Chef Hans-Ueli Regius war massiv: Die von der Krankenkasse
angestellten Ärztinnen und Ärzte in den SwicaGesundheitszentren hätten den Auftrag
gehabt, die Versicherten anderer Kassen teurer zu behandeln als die Swica-HMO-Patienten.
Gemäss Manuel Tejero, dem ehemaligen Leiter des SwicaGesundheitszentrums Winterthur sei
an Sitzungen besprochen worden, wie man «aus externen Patienten mehr herausholen»
könne.
Regius wehrte sich: «Es ist nicht so, dass wir jemals eine Weisung erlassen haben, man
soll Patienten mehr aufbieten, man,soll mehr verschreiben.» Doch «10 vor 10»
präsentierte auch ein internes Swica-Protokoll, in dem die Ärzte klagten. sie seien
aufgefordert, mehr Umsatz zu erzielen. Antwort der Swica: «Das Ziel ist nicht die
Umsatzmaximierung. sondern eine Erhöhung der Patientenfrequenz.»
«Mehr und teurere Medikamente»
Dem K-Tip bestätigten andere ehemalige Swica-ÄrzteTejeros Vorwurf. Wie Tejero
haben sie gekündigt, weil sie mit den Geschäftsmethoden der Kasse nicht einverstanden
sind. Doch weil sie auf die eine oder andere Weise noch mit der Swica zu tun haben, wollen
sie anonym bleiben.
Die Berner Ärztin Barbara Grunder steht zu ihrer Aussage: «Um den Umsatz anzukurbeln,
hatte man uns empfohlen, den Versicherten anderer Kassen mehr und teurere Medikamente zu
verkaufen.»
Mit 40 Prozent ist der Anteil der extern Versicherten am Patientenstamm der
Swica-Gesundheitszentren überraschend hoch. Swica-Chef Regius: «Unsere Ärzte haben den
Auftrag, auch Patienten im freien Markt zu finden, damit wir unsere Fixkosten besser
verteilen können.»
Hausarzt oft nur auf dem Papier
Die guten Risiken - sprich: die gesunden - unter den externen
Patienten sollten die Swica-Ärztinnen und -Ärzte gemäss übereinstimmender Aussage zum
Übertritt in die HMO-Versicherung auffordern.
Und die weniger gesunden Versicherten? Diese sieht die Swica nicht gern als
HMO-Mitglieder. Pressesprecher Ruedi Brunner: «Zielpublikum der Variante HMO sind
Versicherte, die mehrheitlich durch die hausärztliche Versorgung betreut werden
können.»
Logisch. Denn jeder HMO-Versicherte, der nicht im Zentrum behandelt werden kann, sondern
zu einem Spezialisten muss, belastet das HMO-Budget. «Sobald jemand hohe Kosten
verursacht, lässt man ihn auch gerne springen», weiss Chrstine Sengupta,
Rheumaspezialistin in St. Gallen. Eine junge HMO-Versicherte, bei der die Ärztin eine
chronische Krankheit diagnostiziert hatte, liess die Swica gar ohne Einhaltung der
Kündigungsfrist ziehen.Ganz andere Erfahrungen machen Gesunde, welche die Swica-HMO
verlassen wollen.
Die «moderne Form hausärztlicher Betreuung». wie die Swica in ihrer Werbung die HMO
umschreibt, ist oft eine leereWorthülse.Die ehemalige Swica-Ärztin Barbara Grunder: «In
Bern hatten wir zum Beispiel Patienten aus Biel. Da liegen natürlich keine Hausbesuche
drin. Doch die Patienten realisierten dies meistens zu spät - nämlich bei der ersten
Konsultation im Zentrum.» Hausbesuche durften die Berner Swica-Ärzte nur im Umkreis von
einem Kilometer um das Zentrum machen.
K-Tip-Recherchen belegen: Um ihre Gesundheitszentren zu füllen, nimmt die Swica auch
HMO-Versicherte auf, die weitab wohnen; in Zürich etwa Leute aus Volketswil. in St.
Gallen aus Appenzell. Swica-Sprecher Ruedi Brunner: «Es liegt in der freien Entscheidung
jedes Versicherten, welchen Hausarzt er wählt. Was den Hausbesuch betrifft, so
entscheiden die Gesundheitszentren wie eine normale Arztpraxis.»
Nur: HMO-Mitglieder, die auf dem Lande wohnen,zahlen auch nicht 20 Prozent weniger
Prämien. wie in der Werbung versprochen. Denn als HMO-Versicherter wird einem der Rabatt
nicht auf der tieferen Prämie des Wohnorts gewährt, sondern auf der höheren der Stadt,
in der sich die HMO-Praxis befindet. Dies wurde vielen Interessenten aus ländlichen
Gebieten nicht gesagt. «Unsere Versicherten fühlten sich da natürlich hintergangen, und
den Frust liessen sie dann oft an uns aus». erinnert sich Grunder.
Nicht mehr Zeit als in normaler Praxis
Sie hatten auch sonst Grund dazu. Barbara Grunder: «Sobald das
Berner Zentrum einigermassen lief, hatten wir aufgrund der Umsatzvorgaben nicht mehr Zeit
für die Patienten als in einer normalen Praxis.» Dabei waren viele Ärzte zur HMO
gegangen, um unter anderem mehr Zeit für Patientengespräche zu haben.
Doch trotz der offenherzigen Aufnahmepraxis hat sich die Swica anscheinend verkalkuliert:
Gegenüber « 10 vor 10» musste Swica-Chef Regius zugeben, dass derzeit 12 von 300
Stellen abgebaut werden, weil die Zentren 1997 statt der erwarteten 40 Prozent
Mitgliederzuwachs nur eine Zunahme von 15 Prozent verzeichneten.
Romeo Regenass im Ktip Nr.3 vom 11.Februar 1998
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- Last updated 05.05.98
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